Beim Pen-and-Paper-Rollenspiel werden immer wieder Zufallstabellen benutzt. Teils um der Spielleitung etwas Arbeit abzunehmen, teils um überraschende Ereignisse zu erzeugen oder Konsequenzen nach Fehlschlägen zu ermitteln. Am häufigsten sind wohl Zufallstabellen, die mit den sowieso vorhandenen Würfeln ausgelost werden und durch Verschachtelungen doch recht komplex werden können. Ich habe inzwischen bereits einige Lösungen ausprobiert, um mir den Vorgang selbst erleichtern und die direkt zum Ergebnis führen, ohne dass ich über mehrere Seiten, in schmalen Zeilen Ergebnisse zusammenführen muss.

Aktuell nutze ich das Plugin Solo RPG Toolkit von Alex Kurowski, welches - wie der Name schon sagt - eigentlich dafür entwickelt wurde, Solo RPGs zu spielen und zufällige Ergebnisse dafür zu produzieren. Es sind Spielkarten und Tarotkarten integriert (deren Motive man auch mit Eigenkreationen bestücken kann), verschiedene Würfel (W4, W6, W8, W10, W12, W20, W%, Fudge), Fortschrittstracker und Zähler, etc.

Was mich jedoch reizt, ist der enthaltene Random Word Generator. Dieser spuckt zufällige Zeilen(!) aus, die vorher in einer Datei hinterlegt werden können und mit sehr simpler Syntax in Sätze verwandelt werden können.

Installation

Gehe in Obsidian in die Einstellungen > Externe Erweiterungen > Durchsuchen und suche nach “Solo RPG Toolkit”. Klicke auf Installieren und nach der Installation auf Aktivieren. Wechsel in der linken Menüleiste der Einstellungen zu Solo RPG Toolkit. Hier kannst du einige Einstellungen und Verhalten konfigurieren. Für unsere Zwecke interessiert nur der Abschnitt “Sidebar - Oracle and Random Tables”. Hier legst du einen Ordner fest, in welchem die Zufallstabellen hinterlegt werden sollen. Wenn du die vorgefertigten Tabellen des Entwicklers nicht nutzen möchtest, kann du diese hier deaktivieren.

In der linken vertikalen Menüleiste sollte ein neuer Button in stilisierter Form eines 20-seitigen Würfels erschienen sein. Ein Klick darauf, öffnet in der rechten Sidebar das Toolkit. Der Generator ist unter dem Lightbulb-Symbol 💡 zu finden.

Random Custom Tables

Die Zufallstabellen funktionieren folgendermaßen:

  1. Jede einzelne Zeile in einer Datei kann als zufälliges Ergebnis ausgewählt und angezeigt werden.
  2. Stehen die Zeilen unter einer Überschrift (in Markdown mit # versehen), dann sind sie einem abrufbaren Abschnitt, ähnlich einer Kategorie zugeordnet.
  3. Der gewünschte Satzbau, kann mit einfacher Syntax im Frontmatter definiert und die Kategorien mit {geschweiften Klammern} aufgerufen werden.

Frontmatter in Obsidian wird in der ersten Zeile einer Datei in Obsidian definiert. Sie beginnen und schließen ab mit drei Bindestrichen. Wenn wir beispielsweise zufällige Namen für NSCs generieren wollen, würde das folgendermaßen aussehen:

---
Namensgenerator: {vorname} {nachname}
---

# vorname
Amos
Camina
James
Naomi

# nachname
Burton
Drummer
Holden
Nagata

Das Toolkit muss einmal aktualisiert werden (Button ganz links) und es erscheint ein Button. Mit jedem Klick darauf, werden neue zufällige Ergebnisse aus den hinterlegten Namen erzeugt und darunter angezeigt.

Um Variation reinzubringen, können auch mehrere Satzbauten in der Frontmatter hinterlegt werden (unterschiedliche Namen, einer pro Zeile), von denen zu Beginn immer eine zufällig ausgewählt wird. Hier als Beispiel für einen üblichen Namen, eine Person mit Adelstitel oder mit zwei Vornamen:

---
Variante1: {vorname} {nachname}
Variante2: {vorname} von {nachname}
Variante3: {vorname} {vorname} {nachname}
---

NSC-Generator

Im Spiel nutze ich den Generator am häufigsten für Nicht-Spielende-Charaktere (“NSC”). Ich hinterlege z.B. Vorname, Nachname, Alter, Haarfarbe, Haarlänge, den Ausdruck/Emotion, Augenfarbe und etwaiges Verhalten. Das ist nicht sonderlich komplex, aber nimmt unglaublich viel Arbeit und Gehirnschmalz ab für Statisten, die in 5 Minuten eh wieder gehen werden.

Ich habe mich in den folgenden Beispielen aus frei verfügbaren Listen für häufige Namen passend zu unserem Setting bedient (Modern, Anfang 2000er Jahre, USA) und aus einer Tabelle zu individuellen Verhaltensmerkmalen (deren Ursprung ich leider nicht mehr rekonstruieren kann).

Wenn die Gruppe also beispielsweise eine unwichtige Nebenfigur anspricht, die ich in der Vorbereitung nicht eingebaut habe, weil sie keine tragende Rolle im Abenteuer spielt, drücke ich nur auf einen Knopf und es wird ein frischer NSC nach folgender Syntax erzeugt:

---
Variante1: {vorname} {nachname} ist ein {alter} mit {haarfarbe} {haare} und {augenausdruck} {augenfarbe} Augen, {verhalten}.
Variante2: {vorname} {vorname} {nachname} ist ein {alter} mit {haarfarbe} {haare} und {augenausdruck} {augenfarbe} Augen.
---

Das Ergebnis kann folgendermaßen aussehen:

Bildbeschreibung

Ein Screenshot des rechten Panels in Obsidian. Das Solo RPG Toolkit ist ausgewählt. verschiedene Klickflächen sind zu sehen. Unter dem Ordner Randomizer sind zufällig erzeugte NSCs zu sehen:

  • Dinorah Godwin ist eine ältere Person mit roten gelockten Haaren und großen braunen Augen, reibt die Oberlippe.
  • Marcelo Shakespeare ist ca. 20 mit ergrauten gekräuselten Haaren und leuchtenden grünen Augen, schaut beim sprechen zu Boden.
  • Miriam Rae ist Anfang 20 mit roten glatten Haaren und stumpfen braunen Augen, spricht sehr monoton.
  • Rozanne Lorene Keats ist Ende 20 mit roten gewellten Haaren und dunklen blauen Augen, pustet die Strähne (auch imaginäre) aus dem Gesicht.

Innerhalb einer Abfrage können Werte auch zwischengespeichert und wieder aufgerufen werden:

---
Wiederholung: {vorname} ist 25 Jahre alt. {<vorname} mag Erdbeereis.
---

Durch den {< in der zweiten geschweiften Klammer} wird kein neuer zufälliger Wert ausgewählt, sondern der Erste wiederholt. Die Möglichkeiten damit ganze Texte zu erzeugen sind dadurch sehr vielfältig. Theoretisch könnte man mit entsprechendem Aufwand ganze Dörfer mit Gebäudebeschreibungen und Bewohner*innen aus Textblöcken erstellen lassen.

Alex Kurowski ist sehr hilfsbereit und das Plugin wird zum aktuellen Zeitpunkt aktiv weiterentwickelt. Ich kann euch nur empfehlen das Solo RPG Toolkit einmal auszuprobieren und kreativ für eure Zwecke anzupassen.